Altbau ohne Dämmung: Heizlast, Vorlauf und Verbrauch realistisch

Ungedämmte Altbauten gelten als schwieriges Terrain für effizientes Heizen. Dennoch können moderne Hochtemperatur-Lösungen realistisch funktionieren, wenn Heizlast, Vorlauftemperatur und Verbrauch nüchtern betrachtet und sauber geplant werden. Dieser Beitrag zeigt, welche Werte sinnvoll sind, wie Technik und Gebäude zusammenspielen und worauf es bei Kosten, Förderung und Umsetzung ankommt.

Altbau ohne Dämmung: Heizlast, Vorlauf und Verbrauch realistisch

In vielen Altbauten ohne Dämmung ist der Wärmebedarf hoch und die vorhandenen Radiatoren verlangen nach höheren Vorlauftemperaturen. Das muss eine moderne Anlage nicht ausschließen, solange die Heizlast korrekt ermittelt, die Vorlauftemperatur realistisch eingestellt und der erwartbare Verbrauch sachlich eingeschätzt wird. Wichtig ist, technische Grenzen zu kennen und das System so zu planen, dass Effizienz und Komfort in Balance bleiben.

Hochtemperatur-Wärmepumpen im Altbau: effizient heizen?

Für ungedämmte Gebäude liegt die spezifische Heizlast oft bei 80–120 W/m², je nach Baujahr, Luftdichtheit und Klima. Für ein 140‑m²‑Haus können damit 11–17 kW Spitzenlast anfallen (Auslegung z. B. bei −12 °C). Radiatoren verlangen häufig 55–65 °C Vorlauf. Moderne Hochtemperatur-Systeme erreichen bis zu 70–75 °C, doch jede Reduktion der Vorlauftemperatur steigert die Effizienz. Ansatzpunkte: größere Heizflächen (z. B. zusätzliche Heizkörper oder Gebläsekonvektoren), hydraulischer Abgleich, dauerhaft geöffnete Thermostatventile und eine flache Heizkurve.

So funktionieren Hochtemperatur-Wärmepumpen

Aktuelle Geräte nutzen oft Propan (R290) oder optimierte Kältekreise, um hohe Vorlauftemperaturen bereitzustellen. Invertergeregelte Verdichter passen ihre Leistung an die Last an, was Taktungen reduziert. Der Effizienzverlust bei hoher Temperaturhubhöhe bleibt, ist aber durch gute Rücklauftemperaturen, niedrige Heizkurven und sinnvolle Systemtrennung begrenzbar. Bei tiefen Außentemperaturen sind Abtauzyklen normal; eine saubere Auslegung von Volumenstrom, Pufferspeicher (nur wenn hydraulisch nötig) und Wärmeerzeugerleistung ist entscheidend, um Stillstands- und Abtauverluste zu minimieren.

Wirtschaftlichkeit: Lohnt die Umrüstung?

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) liegt in ungedämmten Altbauten mit 55–65 °C Vorlauf häufig im Bereich 2,0–2,8. Bei einem Wärmebedarf von 150–220 kWh/m²a ergeben sich für 140 m² etwa 21.000–30.800 kWh Wärme pro Jahr. Beispiel: 25.000 kWhth / JAZ 2,3 ≈ 10.870 kWh Strom. Bei 0,28–0,40 €/kWh resultieren 3.000–4.350 € Betriebskosten jährlich. Gegenüber einer Gasheizung (z. B. 0,10–0,14 €/kWh zzgl. Grundpreis) kann das je nach Tarif, Gebäudezustand und Nutzerverhalten günstiger, ähnlich oder teurer sein. Reale Werte hängen stark von der reduzierten Vorlauftemperatur, konsequenter Nachtabsenkungsstrategie (oft wenig sinnvoll bei Wärmepumpen), Brennwertnutzung der alten Anlage im Referenzfall und verfügbaren Stromtarifen ab. Alle Preise und Verbräuche sind Schätzwerte und können sich ändern.

Warum sie für alte Häuser geeignet sind

Hochtemperatur-Modelle erlauben den Weiterbetrieb vorhandener Radiatoren und reduzieren damit Eingriffe ins Gebäude. Für Effizienz zählt aber die Kombination aus Technik und Maßnahmen am Haus: dichter Dachboden, abgedichtete Rollladenkästen und Kellerdecken, optimierte Heizflächen, korrekt eingestellte Heizkurve und hydraulischer Abgleich. Bereits 5–10 K niedrigere Vorlauftemperaturen verbessern die JAZ spürbar. In der Praxis helfen auch Gebläsekonvektoren in kritischen Räumen, um mit moderater Vorlauftemperatur ausreichend Leistung zu liefern. Fachplanung nach DIN EN 12831, ein Abgleich nach Verfahren B und reale Messungen (Vorlauf/Rücklauf, Strom, Wärmemenge) sichern belastbare Ergebnisse.

Förderung und Planung: Kosten sparen

Für die Modernisierung stehen in Deutschland bundesweite Förderprogramme zur Verfügung. Förderquoten, Boni und förderfähige Kosten ändern sich; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Richtlinien und Antragswege. Üblich sind Anforderungen an Effizienz, Fachunternehmen, hydraulischen Abgleich sowie eine sachgerechte Dimensionierung. Eine Frühplanung mit Heizlastermittlung, Stromanschlussprüfung, Schall- und Aufstellkonzept sowie Angeboten lokaler Fachbetriebe in Ihrer Region reduziert Risiken. Planungsleitfaden: Heizlast klären, bestehende Heizflächen prüfen, Ziel-Vorlauftemperatur definieren, passende Geräteklasse auswählen (Monoblock/Split), Puffermanagement festlegen, Taktung minimieren, Monitoring einplanen.

Nachfolgend einige in Deutschland verfügbare Hochtemperatur-Modelle mit groben Investitionsspannen für ein typisches Einfamilienhaus inklusive Installation:


Product/Service Provider Cost Estimation
Vitocal 250‑A (Hochtemperatur) Viessmann 22.000–35.000 € inkl. Installation (Einfamilienhaus)
aroTHERM plus (R290) Vaillant 20.000–32.000 € inkl. Installation (Einfamilienhaus)
Altherma 3 H HT Daikin 20.000–33.000 € inkl. Installation (Einfamilienhaus)
Compress 7800i AW (R290) Bosch 19.000–30.000 € inkl. Installation (Einfamilienhaus)
S2125 (R290) NIBE 20.000–34.000 € inkl. Installation (Einfamilienhaus)

Die in diesem Artikel genannten Preise, Tarife oder Kostenschätzungen basieren auf den neuesten verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Eine eigenständige Recherche wird vor finanziellen Entscheidungen empfohlen.

Heizlast, Vorlauf und Verbrauch realistisch einschätzen

Heizlast: Ohne detaillierte Berechnung liefern Energieverbräuche vergangener Winter erste Anhaltspunkte. Aus dem Gasverbrauch lässt sich die mittlere Heizleistung ableiten; Spitzenlasten werden über Klimadaten korrigiert. Vorlauf: Ziel ist, bei Normaußentemperatur die benötigte Raumtemperatur mit der niedrigstmöglichen Vorlauftemperatur zu erreichen. Testweise schrittweise Absenkungen in Kältephasen zeigen, ob Räume auskühlen. Verbrauch: Ein Wärmemengenzähler und ein separater Stromzähler ermöglichen reale JAZ-Werte und helfen, Heizkurven, Volumenströme und Betriebszeiten zu optimieren. So werden Erwartungen und Realität deckungsgleich.

Praktische Optimierungen für weniger Vorlauf

  • Heizkörperflächen vergrößern oder Gebläsekonvektoren einsetzen.
  • Hydraulischen Abgleich durchführen, Ventile voreinstellen, Volumenstrom sichern.
  • Heizkurve flach einstellen; zu hohe Kurven treiben Verbrauch und sinken die JAZ.
  • Rücklauftemperaturen niedrig halten; das senkt die Hubhöhe und verbessert die Effizienz.
  • Gebäudehülle punktuell verbessern (Dachboden, Kellerdecke, Dichtungen), auch ohne Vollsanierung.
  • Monitoring einrichten und in der ersten Heizsaison nachjustieren.

Abschließend gilt: Ungedämmte Altbauten benötigen präzise Planung, um hohe Vorlauftemperaturen mit vernünftiger Effizienz zu kombinieren. Wer Heizlast, Vorlauftemperatur und realistischen Verbrauch konsequent betrachtet und das System auf niedrige Temperaturen trimmt, kann mit moderner Technik stabile Wärme und kalkulierbare Betriebskosten erreichen.