Netto oder brutto? So kalkulieren Sie den Stundenlohn

Wer eine Reinigungskraft beschäftigt, steht schnell vor der Frage: Wie kalkuliere ich fair und rechtssicher den Stundenlohn – netto für die Arbeitskraft und brutto als Gesamtkosten für den Haushalt? Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, welche Modelle es gibt, welche Faktoren den Preis bestimmen und wie Sie realistische Marktwerte einordnen.

Netto oder brutto? So kalkulieren Sie den Stundenlohn

Ob private Direktanstellung, Vermittlungsplattform oder selbstständige Anbieterin: Für Haushalte in Deutschland ist es wichtig zu unterscheiden, was die Reinigungskraft netto erhält und was Sie brutto als Gesamtkosten zahlen. Neben dem vereinbarten Stundenlohn kommen je nach Beschäftigungsform Arbeitgeberabgaben, Plattform- oder Agenturgebühren sowie gegebenenfalls Umsatzsteuer hinzu. Umgekehrt beeinflussen Abzüge wie die Rentenversicherung bei Minijobs das Netto der Arbeitskraft. Mit der richtigen Kalkulation finden Sie einen transparenten, fairen Stundensatz und bleiben rechtlich auf der sicheren Seite.

Was kostet eine Putzfrau? Aktuelle Stundensätze und Preise

Regelmäßige Haushaltsreinigung bewegt sich in vielen Städten zwischen etwa 15 und 30 Euro pro Stunde. Bei Direktanstellung im Privathaushalt orientiert sich der Lohn mindestens am gesetzlichen Mindestlohn; marktüblich sind häufig 13 bis 18 Euro pro Stunde. Selbstständige bzw. über Plattformen vermittelte Kräfte rufen je nach Stadtlage, Erfahrung und Leistungsumfang oft 17 bis 30 Euro auf. Agenturrechnungen können höher liegen, weil Organisationsaufwand, Versicherung und Administration eingepreist sind. Region, Aufgabenprofil und Frequenz bewirken deutliche Unterschiede, weshalb die folgende Kalkulation und die Beispiele als Orientierungswerte zu verstehen sind.

Faktoren, die den Stundensatz Ihrer Reinigungskraft beeinflussen

Mehrere Sachverhalte bestimmen den Preisrahmen: - Umfang und Komplexität: Basisreinigung, Bad- und Küchenintensivreinigung, Ofen- oder Fensterreinigung benötigen unterschiedlich viel Zeit und Können. - Häufigkeit und Dauer: Wöchentliches Putzen ist pro Stunde meist günstiger als Einzeltermine. Längere Einsätze reduzieren Rüst- und Anfahrtszeiten. - Region und Nachfrage: Großstädte mit hoher Nachfrage und höheren Lebenshaltungskosten haben meist höhere Stundensätze. - Ausrüstung und Haftpflicht: Wer Material und Geräte stellt oder nachweislich versichert ist, kalkuliert oft höher. - Abrechnung und Steuern: Selbstständige können umsatzsteuerpflichtig sein; Minijobs haben Arbeitgeberabgaben; Plattformen erheben Servicegebühren. Diese Punkte beeinflussen sowohl den Nettoverdienst der Reinigungskraft als auch Ihre Bruttokosten pro Stunde.

Reinigungskraft beschäftigen: Minijob, Agentur oder selbstständig?

  • Minijob im Privathaushalt: Sie schließen einen Arbeitsvertrag und melden über das Haushaltsscheck-Verfahren an. Sie zahlen den Lohn plus reduzierte Abgaben für Privathaushalte. Die Reinigungskraft erhält den vereinbarten Lohn; ein Abzug kann entstehen, wenn eine Rentenversicherungspflicht nicht abgewählt wird. Vorteile: Rechtssicherheit, Unfallversicherung, Steuerbonus nutzbar. Aufwand: Anmeldung, Lohnabrechnung im Kleinformat über die Minijob-Zentrale.
  • Selbstständige Reinigungskraft: Sie erhalten eine Rechnung. Gehört die Anbieterin zur Kleinunternehmerregelung, fällt keine Umsatzsteuer an; sonst kommen 19 Prozent USt hinzu. Vorteil: wenig Verwaltungsaufwand. Wichtig: Rechnung und Status klären, um Scheinselbstständigkeit zu vermeiden.
  • Agentur oder Plattform: Die Organisation übernimmt Termin- und Ersatzmanagement; die Preise enthalten Vermittlungs- oder Servicegebühren. Transparenz der Kostenstruktur und Vertragsbedingungen prüfen. Welche Form passt, hängt von Ihrem Wunsch nach Planbarkeit, rechtlicher Sicherheit und Budget ab.

Rechtliche Rahmenbedingungen & Steuervorteile für Arbeitgeber

In jedem Modell gilt mindestens der gesetzliche Mindestlohn. Bei Minijobs ist die Entgeltgrenze dynamisch an den Mindestlohn gekoppelt; die Anmeldung im Privathaushalt erfolgt über das Haushaltsscheck-Verfahren der Minijob-Zentrale. Für Arbeitgeber fallen reduzierte Abgaben, Umlagen und eine gesetzliche Unfallversicherung an. Es bestehen Urlaubsansprüche und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nach den allgemeinen Regeln. Arbeitszeiten sollten dokumentiert, Leistungen konkret beschrieben und barzahlungsfreie, nachvollziehbare Zahlungen genutzt werden. Steuerlich können Haushalte für haushaltsnahe Dienstleistungen 20 Prozent der reinen Arbeits- und Fahrtkosten direkt von der Einkommensteuer abziehen, bis maximal 4.000 Euro pro Jahr. Voraussetzung sind unbare Zahlung und eine ordnungsgemäße Rechnung bzw. Lohnnachweise. Bei selbstständigen Anbietern ist die Umsatzsteuer, sofern erhoben, kein begünstigter Arbeitslohnbestandteil.

So finden Sie den fairen Stundensatz für Ihre Haushaltsreinigung

Vorgehensweise zur Kalkulation: 1) Bedarf definieren: Räume, Flächen, Zusatzleistungen wie Fenster oder Ofenreinigung, benötigte Materialien. 2) Zeitbedarf schätzen: Beispiel 2 Zimmer, Küche, Bad regelmäßig 2–3 Stunden; Erst- oder Grundreinigung dauert länger. 3) Beschäftigungsform wählen: Minijob, selbstständig oder Agentur/Plattform – je nach Wunsch nach Absicherung, Flexibilität und Preis. 4) Netto und Brutto trennen: Netto der Reinigungskraft entspricht dem vereinbarten Lohn abzüglich eventueller Arbeitnehmeranteile (z. B. zur Rentenversicherung bei Minijobs, falls nicht abgewählt). Ihre Bruttokosten pro Stunde ergeben sich aus Stundenlohn plus Arbeitgeberabgaben, eventuellen Plattformgebühren und ggf. Umsatzsteuer. 5) Effektivkosten nach Steuerbonus: Ziehen Sie rechnerisch 20 Prozent der begünstigten Arbeitskosten als Steuerersparnis ab, um die langfristige Belastung einzuschätzen. Beispiel: Vereinbarte 15 Euro pro Stunde im Minijob führen – je nach Nebenkosten – zu etwa 16,50 bis 18 Euro Arbeitgeberkosten. Bei einer selbstständigen Anbieterin mit 25 Euro pro Stunde ohne Umsatzsteuer zahlen Sie 25 Euro; mit Umsatzsteuer wären es 29,75 Euro. Die Steuerermäßigung reduziert die Netto-Belastung auf Jahresbasis.

Preisbeispiele im Überblick

Nachfolgend Orientierungswerte realer Anbieter und Modelle. Preise können je nach Stadt, Leistung und Terminlage variieren.


Product/Service Provider Cost Estimation
Regelmäßige Haushaltsreinigung, vermittelte Selbstständige Helpling typisch 17–30 €/h (stadtabhängig), Preise von Anbietenden festgelegt
Direkt vereinbarte Haushaltsreinigung, Profile Betreut.de ca. 15–25 €/h, individuell vereinbart; ggf. Mitgliedsbeitrag für Kontaktaufnahme
Direktanstellung im Privathaushalt (Minijob) Minijob-Zentrale, Haushaltsscheck üblicher Lohn 13–18 €/h + ca. 10–20 % Arbeitgeberabgaben
Haushaltsnahe Minijobs, Inserate/Jobbörse Haushaltsjob-Börse (Bundesagentur für Arbeit) marktüblich 12–18 €/h, keine Plattformgebühren; Konditionen privat vereinbart
Profile und Inserate für Reinigungskräfte Putzperle.de ca. 14–25 €/h; Preise individuell, ggf. Anfahrtspauschale

Die in diesem Artikel genannten Preise, Sätze oder Kostenschätzungen basieren auf den neuesten verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Eine eigenständige Recherche wird vor finanziellen Entscheidungen empfohlen.

Fazit: Wer Netto und Brutto klar trennt, die Beschäftigungsform bewusst wählt und regionale Marktpreise vergleicht, kalkuliert fair und transparent. Dokumentierte Vereinbarungen, ordnungsgemäße Anmeldung beziehungsweise Rechnungen sowie die Nutzung der Steuerermäßigung sorgen dafür, dass Budget, Rechtssicherheit und ein angemessener Lohn für die Reinigungskraft zusammenpassen.